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Sepp Herberger

Josef „Sepp“ Herberger

 

geb. 28.03.1897         + 28.04.1977

162 LĂ€nderspiele - 92 Siege, 26 Unentschieden, 44 Niederlagen;
Weltmeister 1954.

 

... Hohe physische StĂ€rke, enorme Ausdauer, Disziplin, Kampfgeist, Kameradschaft sind die „typisch deutschen Tugenden“, die er seinen MĂ€nnern vorbetete und auch vorlebte .
„Der Chef, der Weise von der Bergstrasse, der Taktikfuchs“ sind Attribute, die sich Herberger wirklich hart durch konsequente Arbeit verdiente und zu eigen machte. Durch die Vermittlung seiner Ideale an hungrige Spieler fĂŒhrte er den deutschen Fußball in die Weltspitze. Er hatte den Biss das Underdog-Image loszuwerden und sich empor zu arbeiten. Gleichzeitig verkörperte er AutoritĂ€t und war doch zugleich Vertrauter und zuweilen Psychologe seiner „MĂ€nner“ - wie er sie nannte.
Der 1897 in der Spiegelsiedlung, dem Armenhaus des Mannheimer Stadtteils Waldhof geborene Sepp Herberger, schaffte mit eisernem Willen und Zielstrebigkeit den Aufstieg zur sportlichen wie gesellschaftlichen Anerkennung. Trotz heftiger WiederstĂ€nde umschiffte er geschickt die Widrigkeiten, die ihn daran hindern hĂ€tten können, sein geliebtes Fußballspiel auszuĂŒben oder spĂ€ter weiter zu geben. Schon als Kind musste er sich gegen den Willen der Eltern durchsetzen, die von der FußlĂŒmmelei wenig begeistert waren, da diese in erster Linie Schuhe verschliss. Trotzdem setze er seinen Kopf durch und schaffte bereits als 17-JĂ€hriger den Sprung in die Erste Mannschaft des SV Waldhof. 1921 streifte er zum ersten Mal das Nationaltrikot ĂŒber, das ihn sein Leben lang nicht mehr loslassen sollte. Schließlich scheute er sich nicht, 1923 zum verhassten Lokalrivalen, dem Klub der Reichen, dem VfR Mannheim ĂŒberzutreten, mit dem er 1925 die SĂŒddeutsche Meisterschaft errang. 1926 wechselte er schließlich zu Tennis Borussia nach Berlin, wo er 1930 auch mit sehr guter Benotung die Berliner Sporthochschule abschloss. Als er 1937 als Reichstrainer die Nachfolge von Otto Nerz antrat, schuf er zunĂ€chst durch kontinuierliche Entwicklung die legendĂ€re „Breslau Elf“, deren geistiger Vater aber dennoch Otto Nerz war. (Herberger wurde eigentlich erst im Mai 1938 formell neuer Reichstrainer, wie historisch belegbare Recherchen von K.-H. Schwarz-Pich in seinem Buch : „Der DFB im Dritten Reich“ belegen. In der offiziellen Zeitleiste gibt der DFB aber das Jahr 1937 fĂŒr diesen Trainerwechsel an.)

Durch den Daueraufenthalt in Berlin setzte er zwischenzeitlich sogar seine Ehe aufs Spiel, was ihn trotzdem nicht davon abhalten konnte, an seinem Lebenstraum weiter festzuhalten. Trotz Kriegswirren formte Herberger eine schlagkrĂ€ftige Kriegs-Nationalelf. Mit Fortdauer des Krieges tat er alles in seiner Macht stehende, seine Nationalspieler zu unterstĂŒtzen und von der Front fernzuhalten. (Dieses werden wir im Zusammenhang mit einem Kapitel ĂŒber â€žRoten JĂ€gern“ nochmals detailliert aufgreifen).

Bereits 1946 machte sich auf einer vagen Hoffnung begrĂŒndet der pedantisch arbeitende Herberger daran, Spieler fĂŒr eine Nationalmannschaft zu sichten und im berĂŒhmten Notizbuch zu vermerken. Ab 1947 arbeitete als Dozent an der Sporthochschule Köln. Er war dort mit der Trainerausbildung beauftragt. Dass er dann 1949 vom DFB zum Bundestrainer berufen wurde, und damit wieder Alleinverantwortlicher fĂŒr das Nationalteam war, ĂŒberrasche wenig . Nach der Wiederaufnahme des DFB im Jahre 1950 in die FIFA-Fußballgemeinschaft war Herberger auf das Beste vorbereitet. Auch sein natĂŒrlich grĂ¶ĂŸter Erfolg, der Gewinn der Weltmeisterschaft 1954 war kein Zufallsprodukt, sondern die Krönung seiner akribischen Arbeit, die er zeitlebens verfolgte.

Nachwuchslehrgang in Bad Blankenburg / Harz vom 05.06. - 12.06.1939

Herbergers SprĂŒche haben bis heute Kultstatus von allgemeinen Lebensweisheiten erlangt: â€œDer Ball ist rund!“  „Der nĂ€chste Gegner ist immer der Schwerste.“ â€žEin Spiel dauert 90 Minuten!“ „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel!“
So sagte Herberger auch einmal zu seinem LieblingsschĂŒler Fritz Walter: „Wenn Du glaubst, Du beherrschst die Kunst, dann musst Du die Kunst erst recht ĂŒben.“

Das berĂŒhmte Notizbuch mit den SchwĂ€chen und StĂ€rken der Gegner, aber auch der StĂ€rken der eigenen Mannen  - es ist nur die Fußnote in einer Vita, die so spannend, so aufregend, so einmalig gewesen ist, dass sich auch die Schöpfer großer Worte in spĂ€teren WĂŒrdigungen auf simple Superlative verstĂ€ndigten: Sepp Herberger, "Der Weise von der Bergstraße", wurde zu einer der "schillerndsten Figuren des deutschen Fußballs", zur Legende, zum Hexenmeister , Trainer-Urvater – einfach zum deutschen Volkshelden.

Nachwuchslehrgang 1937 in Duisburg

Weil es einfach untertrieben gewesen wĂ€re, lediglich von einer Sensation zu sprechen oder gar nur von einer alltĂ€glichen Überraschung, ging sein grĂ¶ĂŸter Triumph, der auch fĂŒr das SelbstwertgefĂŒhl der jungen deutschen Republik eine enorme Schubkraft entfachte, als "Wunder von Bern" in die Sportgeschichte ein Herberger war der Macher, der Übertrainer, der an jenem denkwĂŒrdigen 4. Juli 1954 zu einer UnvergĂ€nglichkeit geworden ist, zu einem Denkmal seiner selbst. Seine facettenreiche und charismatische Persönlichkeit, konnte von keinem  Klischee eingegrenzt werden, da Herberger wie schon sein VorgĂ€nger Nerz, die gleichen WesenszĂŒge inne hatte. Eckig und sperrig, pedantisch und perfektionistisch, Diktator und Despot, vĂ€terlicher Freund und gestrenger Feldherr, nachsichtig und unerbittlich, abweisend und charmant, treu, verlĂ€sslich und in höchstem Maße besorgt um jeden „seiner MĂ€nner“, die ihm ans Herz wuchsen, als wĂ€ren sie die eigenen Kinder.

 Er war ein begnadeter Psychologe, ein Natur-Talent im Punkto MenschenfĂŒhrung, ein  Autodidakt, in simpler SelbstverstĂ€ndlichkeit seine Mannschaften punktfit auf große Ereignisse einschwor. Lapidare SĂ€tze in seinem typischen Mannheimer Dialekt, wie : „MĂ€nner die Uffgab ist gÂŽstellt“, wurden seitens der Mannschaft wie Befehle akzeptiert und umgesetzt. Sein verlĂ€ngerter Arm auf dem Spielfeld war Fritz Walter , sein Star zu dem er ein sehr enges VerhĂ€ltnis pflegte. Vielleicht gerade deshalb sprach Fritz Walter zeitlebens von seinen Mentor nur in respektvoller Distanz vom "Chef" .

   Nachwuchslehrgang vom 07.02. - 19.02.1938   in Duisburg

Die Einmaligkeit des „ Wunders von Bern“ blieb und ĂŒberstrahlte auch die folgenden weniger glanzvollen Jahre.  Herberger die DFB-Elf 1958 bei der Weltmeisterschaft in Schweden immerhin noch auf den vierten Platz.

1962 wurde das Viertelfinale von Chile bereits zur Endstation .1964, nach weiteren zwei Jahre  verabschiedete sich Sepp Herberger von einem Amt, das er allzu gerne seinem ehemaligen MusterschĂŒler Fritz Walter ĂŒbertragen hĂ€tte. Da Fritz Walter zum vielleicht einzigen Mal seinem Chef widersprach und die BĂŒrde diese Amtes ablehnte wurde Helmut Schön, neuer Bundestrainer.

Hall of Fame des deutschen Fussballs

 

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