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Historische BĂ€lle

Die Evolution des runden Leders zur Hightechkugel von heute

Die Entwicklungsgeschichte von 1930 bis heute Von der unberechenbaren Lederkugel zum Hightech- SportgerÀt.

Der legendĂ€re Satz vom „ Boss“ Helmut Rahn: „ Gib mich die Kirsche “ erhĂ€lt wörtlich genommen eine andere Bedeutung, wenn man weiß, dass  die alten SpielgerĂ€te doch hĂ€ufig von der gewĂŒnschten Kugelform abwichen und eher einem Ei oder ebenbesagter Kirsche Ă€hnelten.

Am  30. Juli 1930 beim Finale der ersten Fußball-Weltmeisterschaft standen sich in Montevideo die Teams des Gastgebers Uruguay`s und Argentinien`s gegenĂŒber. Die Final-Kicker beförderten noch eine dieser unwuchtigen Lederkugeln ĂŒber den grĂŒnen Rasen  , besser gesagt derer sogar zwei. Da sich die Endspielkontrahenten nicht auf ein SpielgerĂ€t verstĂ€ndigen konnten, wurde die erste Halbzeit des Finales mit einem den Argentiniern gefĂ€lligen Ball, die zweite Halbzeit mit einem Ball aus Uruguay  gespielt. Aufgrund der Torverteilung könnte man mutmaßen , dass der Ball fĂŒr das Ergebnis von großer Bedeutung war. Halbzeitstand  2 : 1 fĂŒr Argentinien,  Endstand jedoch 4 : 2 fĂŒr Uruguay. Die alten handgenĂ€hten BĂ€lle dieser Zeit bestanden aus 18 RindslederstĂŒcken und wichen jedoch  hĂ€ufig von den Normvorgaben ab, die lt. Reglement nur zwischen 396 und 453 Gramm wiegen und einen Umfang von 68 bis 71 Zentimetern haben durften. Um die mit Luft befĂŒllbare Schweinsblase einsetzen zu können, fand sich ein etwa 10 cm langer Schlitz im Ball der mit einer SchnĂŒrung aus Lederriemen verschlossen wurde. Die damaligen naturlederfarbenen braunen BĂ€lle waren deshalb nie richtig rund, und waren vor allem beim Kopfballspiel unberechenbar, wenn man z.B. nach einen Abschlag die SchnĂŒrung des Balles unkontrolliert auf die Stirn bekam. Ebenso wurden diese BĂ€lle bei Regen „bleischwer“ , denn sie nahmen bei Regen derart viel Wasser auf ,dass sich ihr Gewicht leicht verdoppeln konnte. Um dieses Problem etwas abzumildern wurden die damaligen BĂ€lle vor dem Anpfiff rundherum eingefettet, damit sie sich nicht allzu sehr voll saugten.                                      

Der gelbliche SWISS WORLD CHAMPION Match-Ball 1954 in der Schweiz wurde von der kleinen Murgenthaler Firma Ulrich Schaer AG hergestellt  Auch er entfaltete noch die typischen Regen-Eigenschaften im Fritz Walter Wetter von Bern . Bis zur WM 1966 in England wurde die WM –BĂ€lle immer vom jeweiligen Gastgeberland bestimmt. (Hersteller des rotbraunen WM-SpielgerĂ€tes 1966 war die Firma Slazenger). Erst 1970 zur WM in Mexico konnte auf das lĂ€stige Einfetten des SpielgerĂ€ts verzichtet werden. Seit 1970 werden die offiziellen WM-BĂ€lle von ADIDAS in Herzogenaurach hergestellt. Der „Telstar" war aus einer grĂ¶ĂŸeren Zahl von Teilen gefertigt, insgesamt 32 Panels. Die neue Konstruktion aus 20 Sechs- und zwölf FĂŒnfecken hat sich in langen Labor- und Praxistests als die zweckmĂ€ĂŸigste erwiesen. BĂ€lle, die theoretisch aus noch mehr StĂŒcken zusammengesetzt werden könnten, wĂŒrden durch die zusĂ€tzlichen NĂ€hte die positiven Eigenschaften ins Gegenteil verkehren. Die 20 Hexagone des „Telstars" waren weiß und die zwölf Pentagone schwarz.
Dadurch ließ sich der Ball besonders deutlich im (Schwarz-Weiß-) Fernsehen erkennen, das erstmals eine komplette WM live ĂŒbertrug.  Auch vier Jahre spĂ€ter erlebte der „Telstar" (von: „Star of Television") neben dem schneeweißen Fußball „Chile" in Deutschland sein Comeback und bescherte den deutschen Kickern den WM-Titel 1974.         

Zur WM 1978 wurden einige optische VerĂ€nderungen vorgenommen,, so vermittelten 20 schwarze Triaden den Eindruck von zwölf identischen, gleichmĂ€ĂŸig auf dem Ball verteilten, weißen Kreisen. Mit leichten Abwandlungen behielten die BĂ€lle dieses Ă€ußere Erscheinungsbild die nĂ€chsten 20 Jahre. Die Materialeigenschaften wurden jedoch Zug um Zug verbessert.  Insofern sah das SpielgerĂ€t 1982 auf den ersten Blick kaum anders aus als in der Zeit davor. Aber die Kicker hatten es bei der WM in Spanien deutlich leichter. Denn der Ball war zwar immer noch ganz aus Leder - hatte erstmals wasserdicht versiegelte NĂ€hte, wodurch seine Gewichtszunahme wĂ€hrend der Partie verringert wurde. Noch stĂ€rker reduziert war die Wasseraufnahme beim „Azteca", der 1986 durch die mexikanischen Stadien rollte. Als rein synthetische Ball war er eine echte Innovation, denn er konnte bei absolut gleichbleibende QualitĂ€t in der Serienfertigung hergestellt werden. Der Ball bestand komplett aus Polyurethan (PUR), das einst von der Bayer AG entwickelt worden war. Dieser Kunststoff ist besonders strapazierfĂ€hig, zeigt hervorragende DĂ€mpfungs- eigenschaften und wird vielfĂ€ltig auch in anderen Bereichen des Sports eingesetzt, u.a. fĂŒr Boxhandschuhe, Skier, Snowboards, SchwimmflĂŒgel und fĂŒr Rollen von Inlinern, fĂŒr Turnmatten, sowie Sporthallenböden. Der „Azteca“ war ferner in hohem Maße abriebfest und zeigte hervorragende Eigenschaften auf hartem Boden, in Höhenlagen und bei feuchtem Klima.
Noch schneller spielen ließ sich der „Etrusco Unico", der fĂŒr die WM 1990 in Italien entwickelt wurde. Die AußenhĂŒlle des Fußballs war wasserabweisend und sehr glatt. Innen bestand er aus einem hochelastischen PUR-Schaum,  der sich auch im DĂ€mmmaterial von HĂ€usern oder im Polstermöbeln findet. Ein wichtiger Teil des mehrlagigen Innenlebens ĂŒber der Latexblase des „Questra", mit dem 1994 die WM in den USA ausgetragen wurde aus PE-Schaum gefertigt. Dadurch wurde eine besonders hohe EnergierĂŒckgabe. Erzielt, die den Ball besser kontrollierbar machte und grĂ¶ĂŸere Schussgeschwindigkeiten zuließ. Diese Steigerung der Leistungsmerkmale wurde im mehrfarbigen „Tricolore"  -Ball der WM 1998 in Frankreich nochmals getopt.. Der verwendete Kunststoffschaum verbesserte nochmals die Flugeigenschaften des Balls erheblich, weil  er den Ball nach dem Schuss sofort wieder in seine optimale Kugelform zurĂŒckbrachte. Auch der „Fevernova", offizieller Spielball bei der WM 2002 in Japan und SĂŒdkorea, wurde der „syntaktische Schaum" weiterentwickelt. Viele WeltklassetorhĂŒter lobten , dass der Ball viel weniger flattere  als seine VorgĂ€nger.
Der  Spielball der diesjĂ€hrigen WM in Deutschland  „Teamgeist“ wird in einem völlig neuen Fertigungsverfahren zusammengefĂŒgt. Im Gegensatz zum „Roteiro" dem Ball der EURO 2002 in Portugal besteht seine Außenhaut nicht mehr aus 32 Teilen - der nach Auskunft Herstellers immer noch besten Konstruktion fĂŒr genĂ€hte BĂ€lle -, sondern aus 14 „Propellern" und „Turbinen".
Der „Teamgeist", der einen Umfang von 69 Zentimetern hat und gut 440 Gramm wiegt, wird ausschließlich in Thailand hergestellt, mit einer Auflage von rund zehn Millionen StĂŒck.  2500 bis 3000 davon  werden direkt den WM-Teams in Deutschland zur VerfĂŒgung stehen. Die Weltproduktion von genĂ€hten FußbĂ€llen findet heute hauptsĂ€chlich in Pakistan und China statt. Traditionelle FußbĂ€lle aus Leder werden heute noch in Uruguay und Argentinien gefertigt, womit sich unser Kreis hier schließt.

Hall of Fame des deutschen Fussballs

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